Weiterbildung - Termine

04.11.2014 , 14:00 - 19:30 Uhr

Tagung Globales Lernen - Potenziale & Perspektiven 2014


Rassismuskritische Bildung – eine aktuelle Herausforderung

BMBF,
Pädagogische Hochschule Wien, Austrian Development Agency (ADA)
und Strategiegruppe Globales Lernen
laden ein zur Bundes-Fachtagung 2014
 
Globales Lernen – Potenziale und Perspektiven
Rassismuskritische Bildung – eine aktuelle Herausforderung
 
Wann?
Dienstag, 4. November 2014,
14.00 bis 19.30 Uhr
 
Wo?
Albert Schweitzer Haus
Schwarzspanierstraße 13, 1090 Wien
 
 
Das Phänomen Rassismus wird gesellschaftlich allzu leicht negiert, in die Vergangenheit verwiesen oder als extremistisches Randphänomen angesehen. Rassismus gilt so als außergewöhnliches Phänomen, eine kritische Auseinandersetzung mit gegenwärtigen rassistischen Tendenzen wird damit verhindert. Die Tagung lenkt das Augenmerk auf die „Normalität“ von Rassismus als „gesellschaftliche Ordnung“, wie sie sich in vielen Bereichen unseres Zusammenlebens findet.
Rassismus ist eine Praxis des Unterscheidens zwischen einem machtvollen „Wir“ und einem nicht zugehörigen „Sie/Die Anderen“. Diese Unterscheidung ordnet und strukturiert, sie beeinflusst und bildet das Selbst- und Weltbild, sie prägt Institutionen und sie zeigt Wirkung! Rassismus bleibt dabei anschmiegsam und findet immer neue Ausdrucksformen für Unterscheidung und Herrschaft.
 
Machtvolle Unterscheidungen und Zuschreibungen, Chancenungleichheiten und Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen prägen auch das Bildungssystem und die Bildungspraxis und können als Formen von institutionellem Rassismus angesehen werden. Welche Perspektiven kann eine rassismuskritische Bildung bieten? Welchen Herausforderungen und Dilemmata steht sie gegenüber? Welche Möglichkeiten für Empowerment und Widerstand können wir entwickeln?
 
Programm
14.00   Begrüßung und Einführung:
 
Rassismuskritische Bildung: Herausforderungen – Dilemmata – Paradoxien
Anne Broden, Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit in Nordrhein-Westfalen (IDA-NRW)
Anne Broden gibt eine Einführung in das Thema Rassismus und geht den Zumutungen, Chancen und Grenzen einer rassismuskritischen Bildungsarbeit nach.
 
Globales Lernen und rassismuskritische Bildung
Heidi Grobbauer, KommEnt
 
15.45 – 16.00 Uhr Kaffeepause
 
16.00 – 18.00 Arbeitsgruppen
 
18.00 – 18.20 Pause (mit kleinem Snack)
 
18.20 Vortrag
 
(Un-) Tiefen der Macht:
Auswirkungen von Rassismuserfahrungen und sozialer Exklusion
Astride Velho, Erzieherin und Diplompsychologin, München
Der Vortrag beleuchtet die Auswirkungen von Rassismuserfahrungen auf die psychische Gesundheit und die Subjektivität von Kindern und Jugendlichen und entfatet Perspektiven für eine veränderte Praxis.
 
 
19.20 Uhr Zusammenfassung und Abschluss
 
 
Arbeitsgruppen
 
AG 1: Pädagogisches Handeln in der Migrationsgesellschaft
Anne Broden, IDA-NRW, Düsseldorf
 
Um den Herausforderungen einer heterogenen Gesellschaft gerecht werden zu können, ist es notwendig, Unterschiede und Differenzlinien aufzuzeigen (z. B. ethnisch-nationale, sprachliche, soziale, genderspezifische). Gleichzeitig tritt eine rassismuskritische Perspektive gegen die ständige Unterscheidung von Zugehörigen und Nicht-Zugehörigen und gegen die Konstruktion der „Anderen als Andere“ auf. Die Herausforderung für eine rassismuskritische Bildung liegt darin, Analysefähigkeit sowie ein Gefühl für notwendige Differenzierung ohne Festschreibung von Differenzen zu entwickeln.
 
AG2: Sensibilisierung für Alltagsrassismus - Ansätze für eine reflexive Berufspraxis
Michael Schneider-Koenig, Pädagogisches Institut der Stadt München und Astride Velho, Erzieherin, Diplompsychologin
 
Im Alltag von Schulen und Bildungseinrichtungen tritt Rassismus in vielfältigen, nicht immer leicht zu erkennenden Formen auf. Rassismus prägt auch die zwischenmenschlichen Beziehungen in pädagogischen Kontexten und erschwert betroffenen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen. Als zentrale Lebenserfahrung von Kindern und Jugendlichen wird Rassismus in der beruflichen Praxis aber oftmals negiert und verleugnet. Schulen, die Vielfalt gestalten, Chancengleichheit fördern und inklusiv handeln wollen, brauchen Lehrkräfte, die sich ihrer eigenen Prägungen und deren Wechselbeziehungen mit strukturellen Komponenten von Rassismus bewusst sind.
Die ReferentInnen zeigen anhand von Fallbeispielen auf, wo und wie Rassismus im Alltag wirksam wird, wie wir selbst in rassistische Strukturen involviert sind und diskutieren mit den Teilnehmenden Möglichkeiten einer reflexiven, rassismuskritischen Berufspraxis.
 
AG 3: Die „Anderen“ in Schulbuch und Unterricht
Christa Markom, Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien
 
Diskriminierende Darstellungen, einseitige Definitionen, stereotype Repräsentationen kommen auch in Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien vor. Werden diese nicht kritisch reflektiert, tragen sowohl Lehrende als auch SchülerInnen zur Fortsetzung und Festigung diskriminierender Haltungen bei. Christa Markom verweist in ihren Schulbuchforschungen auf Orientalismus, Antisemitismus, Rassismus und Exotismus. Migration wird etwa häufig in negativem Kontext oder in einem Nützlichkeitsdiskurs thematisiert. Wie können diskriminierende Darstellungen für den Unterricht produktiv gemacht werden? Welche Analyse und Urteilskompetenzen brauchen Lehrende und SchülerInnen? Wie können kritische Reflexion und widerständige Strategien gefördert werden?
 
AG 4: Strategien dekolonialer Pädagogik & antirassistischer Bildungsarbeit
Sunanda Mesquita Boafo & Rafaela Siegenthaler, Leiterinnen von Empowerment- und Antirassismus Workshops, Wien
 
Antirassistische Bildung beschreibt den engagierten Anspruch, die eigene Verstricktheit im gesellschaftlichen Machtsystem von Rassismus, Sexismus und weiteren Diskriminierungsformen zu hinterfragen. Dies kann nur gelingen, wenn sich Vermittelnde als Teil diskriminierender Strukturen begreifen und ihre Position sowohl als Lehrende, wie auch als Lernende verstehen.Der Blick richtet sich dabei auf die Konstruktion der Kategorie weiß-Sein, sowie auf die damit in Verbindung stehenden Privilegien: Waswird als Wissen und damit auch als antirassistische Strategie anerkannt? An wen richten sich die antirassistischen Lehrinhalte? Was wird wie gelehrt, wer lernt dabei was? Wie kann eine gewaltfreie Pädagogik ermöglicht werden?
 
AG 5: Schulen ohne Rassismus
Leitung: Teclaire Ngo-Tam & Michaela Krimmer, Südwind Agentur
 
Was braucht es, damit SchülerInnen sich nicht fremd oder ausgeschlossen fühlen? Welche Rahmenbedingungen fördern inklusive Begegnungs- und Lernprozesse? Wie definieren junge Menschen ihre Positionen in kulturell heterogenen Gemeinschaften? Mit dieser AG regen wir die Teilnehmenden zu einem Perspektivenwechsel an. Im Mittelpunkt stehen SchülerInnen, die als GesprächspartnerInnnen ihre Erfahrung mit Diversität, Diskriminierung, Mehrsprachigkeit vor allem aber auch mit rassismuskritischen Projekten und interkulturellem Lernen reflektieren. Die Selbstpositionierungen der SchülerInnen sollen Ausgangspunkt für den Dialog sein, Gesprächsinseln laden zum Erzählen, Fragen und Diskutieren ein. Im Anschluss werden gemeinsame Strategien zur Vermeidung von Ausgrenzung und rassistischen Praktiken sowie Möglichkeiten des Empowerments aller Akteure entwickelt.
 
AG 6: Empowerment der Betroffenen und Handlungsoptionen
Bianca Schönberger, ZARA Training GmbH und Lilian Levai, ZARA Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen von Diskriminierung
 
Ein nicht unerheblicher Teil der von ZARA - Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit dokumentierten rassistsichen Diskriminierungen spielt sich im Bildungssektor ab, sei es, dass SchülerInnen von ihren KollegInnen rassistisch beschimpft werden oder BewerberInnen aufgrund ihrer Herkunft von Bildungsprogrammen ausgeschlossen werden. In der Arbeitsgruppe informieren wir über Anti-Diskriminierungsrecht und Möglichkeiten der Intervention bei rassistischen Vorfällen und Übergriffen.
Die ZARA Training GmbH ist für die Präventionsarbeit des Vereins zuständig und bietet ein breites Spektrum an Trainings und Workshops für Jugendliche und Erwachsene, von einer Sensibilisierung für Unterschiede ("Umgang mit Vielfalt") bis hin zur auseinandersetzung mit Radikalisierung im Netz ("Cyber Hate"). Diese Trainings unterstützen das Empowerment von Betroffenen sowie die Herausbildung von Kompetenzen für eine anti-rassistsiche Organisationskultur in Schulen, Behörden, Unternehmen und Vereinen. Die Angebote werden in der Arbeitsgruppe näher vorgestellt.
 
 
 
Zielgruppen:
SchuldirektorInnen und LehrerInnen aller Schultypen und Schulstufen
Lehramtsstudierende
Lehrende in der LehrerInnen-Bildung
Studierende
MitarbeiterInnen aus NGOs
 
Anmeldung für Lehrpersonen
Inskriptionsnummer: 5014PBL505
Achtung Anmeldefrist: 25.8. – 7.9.2014
Bevorzugte AG bitte unter der Adresse office@komment.atangeben.
 
Anmeldung für Nicht-LehrerInnen:
Bitte melden Sie sich mit Ihrem Namen, Ihrer Adresse und der Angabe, an welcher Arbeitsgruppe Sie am liebsten teilnehmen wollen unter folgender Adresse an:
office@komment.at
 
Näheres zum Programm unter:
www.komment.at



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