• 17.12.2013Seite Drucken

Tagung Globales Lernen. Ökonomische Krisen und zukunftsfähige Bildung

Was braucht es für eine Bildung, um unsere vermehrt von Ökonomisierung geprägte Welt zu verstehen und mitgestalten zu können? Mit dieser Frage beschäftigte sich die diesjährige Tagung Globales Lernen, die am 14. November 2013 im Europahaus Wien stattfand. 170 TeilnehmerInnen waren dabei, mehr als die Hälfte davon hat ihre Eindrücke in einem online Feedback rückgemeldet; und das fällt erfreulicherweise wieder sehr gut aus.


Die erste Bundes-Fachtagung im Dezember 2012 beschäftigte sich allgemein mit der Frage nach Potentialen und Perspektiven des Globalen Lernens in Österreich. Im Mittelpunkt der Tagung 2013 stand das Nachdenken über die Vormachtstellung des Ökonomischen und ökonomische Krisen sowie deren Herausforderungen für eine zukunftsfähige Bildung. Veranstaltet wurde die Tagung vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK), der Pädagogischen Hochschule Wien, der Austrian Development Agency (ADA) sowie der Strategiegruppe Globales Lernen, organisiert wurde sie wie im Vorjahr von KommEnt.



Ein vielfältiges Programm…


Auf einleitende Worte von Helmuth Hartmeyer (Strategiegruppe Globales Lernen und ADA) und Sylvia Schrittwieser-Tschach (BMUKK) folgte ein Impulsvortrag von Gerd Steffens (ehem. Professor für politische Bildung an der Universität Kassel) über die Chance, die Krise als Lerngelegenheit zu nutzen.

Steffens plädierte für eine „an der Welt interessierte politische Bildung“, die mit den Heranwachsenden das Interesse an der Gestaltung der Welt teilt. In einer Demokratie debattiere die Gesellschaft eben selbst über ihre Zukunft, umso wichtiger sei es, Jugendliche – also die zukünftigen AkteurInnen der Demokratie – in politischer Bildung und ihrer Anteilnahme am Weltgeschehen zu fördern.

Wenn von Krisen oder Umbrüchen gesprochen wird, stellt sich die Frage, um welche Brüche es geht. Steffens stellte hier zwei Modelle der Epochalisierung vor: zum einen das gängige Modell vom Fall der Berliner Mauer, mit dem sich die Super-Struktur des Ost-West-Konflikts auflöste. Zum anderen einschneidende Ereignisse ab 1970, wie z.B. der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems, der Ölpreisschock, der Putsch unter Diktator Pinochet, der Chile zum Laboratorium neoliberaler Politik machte, der chinesische Reformkurs unter Deng Hsiao Ping, der die Volksrepublik zum Weltmarkt öffnete und schließlich auch der Einzug von Margaret Thatcher in die Downing Street und der Amtsantritt von Ronald Reagan. All dies ermöglichte erst das Vordringen des neoliberalen Paradigmas, so Steffens.
Ob denn eine Krise auch etwas Gutes habe? In gewisser Weise ja. Denn eine Krise – und hier handelt es sich Steffens zufolge immer um eine Systemkrise – macht es oft erst möglich, dass auch Dinge diskutiert werden, die bis zu diesem Zeitpunkt als unantastbar galten.

Diskutiert wurde rege nach dem Vortrag von Steffens sowie auch am Nachmittag in sechs Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen: von der Frage der Gesellschaftsfähigkeit des Homo Oeconomicus und des Themas soziale Ungleichheit in der Schule bis zu multiperspektivischem Ökonomieunterricht und methodischen Formen zur Auseinandersetzung mit komplexen Themen, wie dem Philosophieren mit Kindern oder der Diskussion von Dilemmata.

 
AG 5 -Soziale Ungleichheit                          AG 4 - Philosophieren mit Kindern

…bringt vielfältige Rückmeldungen

Der online Fragebogen mit insgesamt 14 Fragen wurde eine Woche nach der Tagung an alle registrierten TeilnehmerInnen ausgesandt. Mit einem Rücklauf von 52% (88 vollständig ausgefüllte von 169 versandten Fragebögen) steht das Ergebnis des Feedbacks auf stabilen Beinen und brachte eine durchwegs positive, aber auch differenzierte und kritische Rückmeldung.

Unter den Teilnehmenden befanden sich vorwiegend Lehrende an Schulen (47%), MitarbeiterInnen von Pädagogischen Hochschulen (23,9%) und Personen aus dem Bereich NGO, Entwicklung/Humanitäres (26,1%), neben TeilnehmerInnen aus öffentlichen Institutionen sowie Studierende und Lehrende von Universitäten.

Erfreulich war erneut der hohe Zufriedenheitsgrad mit der gesamten Veranstaltung: 85% der Bewertungen liegen bei sehr zufrieden (50%) und zufrieden (35%). Auch hat der Besuch der Veranstaltung die Kenntnisse der meisten TagungsteilnehmerInnen im Bereich einer global orientierten politisch-ökonomischen Bildung erweitert (88%). Als besonders wichtige Erkenntnisse wurden verschiedene Aspekte genannt, unter anderem die methodischen Zugänge (Philosophieren als pädagogisch-didaktische Methode und das Diskutieren von Dilemmata), das Erkennen von Zusammenhängen, die Verknüpfung von Ökonomie und Bildung sowie die historischen Ausführungen zum Thema. Auch die breite Bedeutung des Globalen Lernens als zeitgemäßes pädagogisches Konzept wurde hier angeführt.

Vortrag und Arbeitsgruppen

Der Vortrag von Gerd Steffens ist sehr positiv bei den Teilnehmenden angekommen,  knapp 70% bewerteten ihn mit sehr gut oder gut. Der Input wurde aber auch als anspruchsvoll empfunden, sodass die Beurteilungen in der offenen Frage zum Vormittagsprogramm von „sehr informativ“ und „spannend“ bis zu „fachspezifisch, zu detailliert“ und „zu schwierig“ reichten. Beindruckt hat auch die Eröffnungsrede von Helmuth Hartmeyer, die u. a. als „ausgezeichnete Einführung“ gelobt wurde.

Alle Arbeitsgruppen des Nachmittags liegen zwischen „sehr gut“ und „gut“. Bei den TeilnehmerInnen besonders gut abgeschnitten haben die AG 3: Dilemmata Diskutieren und die AG 6: Was ist wertvoll? Philosophieren mit Kindern. Hier wurde vor allem auf die gute Praxisorientierung hingewiesen. Gleiches gilt auch für die AG 4: Wem gehört die Natur? Philosophieren mit Kindern sowie für die  AG 5: Soziale Ungleichheit. Bei letzterer wurde weiters die gewählte Methode (Weltcafé) als positiv hervorgehoben. AG 2: Ökonomie unterrichten – multiperspektivisch und differenziert und AG 1: Ist der Homo Oeconomicus gesellschaftsfähig? dienten der Vertiefung des theoretischen Diskurses, daher war hier der Praxisbezug nicht ganz so gegeben. Wie unterschiedlich Wahrnehmungen und Bedürfnisse der TeilnehmerInnen jedoch sind, zeigt sich beispielsweise in den Bewertungen der AG 1, die von „gute Kombination aus abstrakter Lehre und Lehranregungen“ bis zu „zu theoretisch“ reichen.  

Die Organisation der Fachtagung wurde ausschließlich mit sehr gut (66 Wertungen) und gut (17 Wertungen) beurteilt. Auch die Zufriedenheit mit dem Tagungsort (Europahaus Wien) war in Bezug auf Ausstattung und Räumlichkeiten sehr hoch, während die kulinarische Versorgung für einige TeilnehmerInnen zu wünschen übrig ließ.

Mit den sehr differenzierten und vielfältigen Antworten verweist das Online-Feedback auf das hohe Engagement der TeilnehmerInnen und gibt außerdem gute Hinweise sowohl für Themen als auch für die Gestaltung einer nächsten Tagung zu Globalem Lernen
 

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