• 07.04.2013Seite Drucken

Workshop: Auf heißem Pflaster statt leisen Sohlen – Kreative politische Aktionsformen

Wie können (entwicklungs)politische Gruppen ihre Anliegen jenseits von Infotischen, Presseerklärungen und Kundgebungen mit Spaß und Begeisterung in die Öffentlichkeit tragen? Das war die grundlegende Frage, die hinter dem dreitägigen Workshop, veranstaltet von Südwind Salzburg und KommEnt, stand.


Eingeladen war der Tübinger Diplompsychologe Marc Amann, der sich auf seiner Homepage (www.marcamann.net) als Aktivist, Aktionstrainer, Aktionsgeschichtensammler und Gruppenprozesse-Unterstützer beschreibt. Er gab von 7. bis 9. März 2013 Einblicke in seine zahlreichen Erfahrungen mit unterschiedlichen Protestformen.

In der Vielfalt liegt die Würze

Zu Beginn ging es darum, das Wissen der Gruppe um die Vielfalt möglicher Aktionsformen zusammenzutragen und zu dokumentieren. Das Ergebnis dessen, was die TeilnehmerInnen alles schon miterlebt oder auch mitgestaltet hatten, war beeindruckend.
Marc Amann erweckte mit seinem sehr lebendigen Erzählstil viele weitere kreative politische Aktionsformen zum Leben: Dazu gehörten Rückwärtsdemonstrationen, Bodenzeitungen, Umzüge mit Großpuppen, Lachparaden, Straßen-Parties, Theater der Unterdrückten, Street Art, Mahnmal, Radical Cheerleading, Rebel Clowns, Action-Samba, Flash Mobs, Critical Mass, Kiss-In, MP3-Ballett, Guerilla Theatre, Performances, Installationen, und so manches andere. Dazu zeigte der Referent den TeilnehmerInnen eine Vielzahl von Video-Clips aus aller Welt, welche viel Stoff zum Nachdenken, aber auch zum Lachen boten.
Von der Sammlung von Ideen und dem Ausflug in die ganze Welt der politisch Aktiven ging es dann weiter in die konkrete Praxis: Die TeilnehmerInnen des Workshops erprobten unterschiedliche Spiele und Übungen aus dem Theater der Unterdrückten von Augusto Boal und entwickelten selbst Theaterstücke. So entstand beispielsweise ein Maschinentheater zum Thema „Entschleunigung“, das am dritten Tag öffentlich präsentiert werden sollte, was die Wetterverhältnisse dann leider nicht zuließen. Für die “öko&fair ernährt mehr”-Kampagne der Weltläden suchten die TeilnehmerInnen gemeinsam nach kreativen Wegen, um auf die Bedeutung der Artenvielfalt hinzuweisen.



Spaß und Grundsätzliches gut gemixt

Drei Tage Workshop ließen genug Zeit zum gemeinsamen Nachdenken, etwa über die Ziele unserer Aktionen (Sensibilisierung, Gesetzesänderung, Aneignung, …) und die damit zusammenhängenden Aspekte der Planung, wie beispielsweise die Wirkung auf Außenstehende, die Frage nach den Ressourcen, nach Ablauf, passender Location, geeigneten Verbündeten und auch die nicht zu vernachlässigenden rechtlichen Aspekte solcher Aktionen.
Auch andere grundsätzliche Fragen fanden Platz im Workshop, wie z.B. an welchen Prinzipien orientieren wir uns in unseren Aktionen (Gewaltfreiheit, Themenfokussierung, Grenzen respektieren, …), oder wovon lassen wir uns denn überhaupt inspirieren. Marc Amann wies eindrücklich darauf hin, dass das Team dem Einzelnen immer ein Stück voraus ist, wenn es um Inspiration und Lösungsfindung geht. In diesem Sinne rief er zur Vernetzung und zur Freude an politischen Aktionsformen auf.
Am Ende waren die TeilnehmerInnen ausnahmslos sehr zufrieden: Der Horizont der denkbaren politischen Aktionsformen hatte sich für die meisten in diesen drei Tagen wesentlich erweitert, und es hatte auch noch sehr viel Spaß gemacht!

Sonja Schachner &
Jean-Marie Krier

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