• 24.07.2012Seite Drucken

Neuer Lehrgang "Global Citizenship Education"

Globalität und kulturelle Heterogenität als Kennzeichen heutiger Gesellschaften stellen neue Herausforderungen für Bildung und Bildungssysteme dar. Mit dem Wintersemester 2012/2013 beginnt in Kärnten erstmals ein Lehrgang, der sich mit dem Thema "Global Citizenship Education" auseinandersetzt.


Kompetenzen für eine weltoffene Bildung stärken

Global Citizenship Education integriert Politische Bildung, Globales Lernen, Interkulturelle Bildung und Friedenspädagogik. Warum? "Weil es keinen Sinn macht, diese 'politischen Didaktiken' fein säuberlich auseinander zu halten, sondern weil es darum geht, sie alle zusammen zu nutzen, um die heutige Welt zu erklären und sich in ihr zurecht zu finden", erklärt der wissenschaftliche Leiter des Lehrgangs Werner Wintersteiner. Er hält diesen Ansatz, der eine innenpolitische Orientierung der Politischen Bildung wie auch den oft unpolitischen Ansatz des Globalen Lernens überwindet, für das eigentlich Innovative am Lehrgang. Die LehrgangsteilnehmerInnen sollen neben Grundwissen auch fachliche und didaktische Kompetenzen für die Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen für Global Citizenship Education erwerben. Sie lernen, global vernetzte Prozesse wahrzunehmen und zu verstehen und stärken ihre Kompetenzen zu selbstständiger Urteilsbildung und Partizipation.

Durch selbstreflexives Lernen die Grundhaltung nachhaltig verändern

Wintersteiner erklärt zum Ziel des Lehrgangs, den "Habitus" – also die Grundhaltung – der TeilnehmerInnen nachhaltig zu entwickeln, zu modifizieren und zu reflektieren. "Ich glaube nicht an Informationsvermittlung oder an Methodenvermittlung, die meint, ohne die Beschäftigung mit dem tiefer liegenden Habitus auszukommen. Dieses selbstreflexive Lernen braucht Zeit und Strukturen, und: eine Fortbildungsgemeinschaft." Um dies zu ermöglichen sei der Lehrgang über zwei beziehungsweise drei Jahre angelegt worden.

Den eigenen Wirkungsbereich verändern

Als gelungen würde Werner Wintersteiner den Lehrgang dann bezeichnen, wenn ihn sowohl die TeilnehmerInnen als auch die Leitung als erfolgreich empfinden. "Zufriedenheit" sei aber nicht das Kriterium des Gelingens, sondern vielmehr die Qualität der Abschlussarbeiten und die Fähigkeit der TeilnehmerInnen, in ihrem eigenen Wirkungsbereich Veränderungen zu erzielen. Er berichtet über Erfahrungen in einem Lehrgang, den er vor einigen Jahren geleitet hat. Dort habe z.B. ein Teilnehmer ein Friedensforschungszentrum an seiner Universität gegründet, zwei andere TeilnehmerInnen haben in ihrem Land ein Konflikttrainingszentrum aufgebaut. Eine hohe Latte der Erwartung, muss Wintersteiner zugeben.

Lehrgang für Lehrende und MultiplikatorInnen

Der Lehrgang richtet sich an Personen, die selbst  in der Aus- und Weiterbildung von Lehrenden tätig sind. Auch LehrerInnen aller Schultypen und -stufen und ErwachsenenbildnerInnen sind als Zielgruppe angesprochen. MultiplikatorInnen in der Erwachsenenbildung, der öffentlichen Verwaltung und den Bereichen Politik sowie Medien und Gesellschaft, sind weitere Lehrgangszielgruppen.

Aufbau und Lehr-/Lernsetting

Der Universitätslehrgang ist zweistufig angelegt: Ein viersemestriges Zertifikatsprogramm setzt sich mit den Lehrgangsinhalten auseinander. In weiteren zwei Semestern geht es vorwiegend um wissenschaftliches Schreiben und das Verfassen einer Master Thesis. Der gesamte Universitätslehrgang ist berufsbegleitend und in Blockform aufgebaut. Vier einwöchige Seminare, zwei Arbeitsgemeinschaften, eine mehrtägige Studienreise und Blended Learning Einheiten machen das Lehr-/Lernsetting aus. Wintersteiner meint zum Aufbau: "Der Lehrgang wird (auch) auf Masterniveau angeboten, um die Qualität auch in Form eines Zertifikats sichtbar zu machen und als Beitrag zu einer längst überfälligen Überwindung von Grundbildung und Fortbildung." Bereits bevor die Bewerbung des Lehrgangs richtig begonnen hat, seien schon erste Anfragen und Interessensbekundungen eingelangt, freut sich der Lehrgangsleiter. "Wir hoffen, dass sich eine große Zahl von BewerberInnen auf den gesamten Prozess der drei Jahre einlassen möchte."

Bildungskonzept "Globales Lernen" im Magazin Erwachsenenbildung

Viele Menschen fühlen sich unsicher und orientierungslos hinsichtlich ihrer Lebens- und Handlungsmöglichkeiten in der "globalisierten Welt". Ein Bedarf nach Erwachsenenbildung tut sich längst auf – doch noch scheint die Branche weit davon entfernt, über den nationalen Tellerrand hinaus gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar zu machen. Zu diesem Resümee gelangen zumindest einige AutorInnen in der Ausgabe 16 des "Magazin erwachsenenbildung.at", das im Juni erschienen ist. In einer Reihe von theorieorientierten Abhandlungen und praktischen Beispielen wird daher versucht, das Konzept Globales Lernen für die Erwachsenenbildung fruchtbar zu machen. Herausgegeben wurde das Magazin von Heidi Grobbauer (KommEnt), Hakan Gürses (ÖGPB) und Stefan Vater (VÖV).


Die Autorin Bianca Friesenbichler ist Mitglied im Online-Redaktionsteam des Instituts Educon für Aus- und Weiterbildungsentwicklung.

Der Text wurde von der Seite erwachsenenbildung.at übernommen.
 

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