• 30.05.2012Seite Drucken

Konsum verändert die Welt – fairändern wir den Konsum!

In Vorbereitung auf die Rio+20-Konferenz im Juni organisiert das Salzburger Bildungsnetzwerk für Nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen (sabine) in Kooperation mit dem ORF und den Salzburger Nachrichten mehrere Veranstaltungen zu Nachhaltigkeitsthemen im Salzburger Land. Am 22. Mai kamen fast 60 Personen zu einem Diskussionsabend zu Fairem Handel im Evangelischen Zentrum Salzburg-Süd zusammen.


Als Impulsgeber war Jean-Marie Krier (KommEnt) eingeladen, um den Bogen von Rio+20 zum Fairen Handel zu spannen.


Andrea Reitinger, Sepp Ortner, Elfi Geiblinger (ORF, Moderation), Jean-Marie Krier (Foto: Sonja Schachner)

Rio+20

In Rio werden zwei Aspekte im Mittelpunkt der Diskussionen stehen: die angedachte Aufwertung des bisherigen UN-Entwicklungsprogramms UNEP zu einer eigenen UNO-Organisation mit stärkeren Rechten und besserer finanzieller Ausstattung, sowie das Thema einer stärkeren Umweltorientierung von Wirtschaft allgemein. Formal wird es hierbei darum gehen, ein Grundsatzdokument mit dem vorläufigen Titel „Green economy in the context of sustainable development and poverty eradication“ auszugestalten und zu verabschieden.

Die meisten NGOs sehen solche Mammutkonferenzen als Möglichkeit, ihre Themen stärker in die Öffentlichkeit zu tragen. Gerade zum Thema „Grüne Wirtschaft“ haben NGOs in vielen Ländern wichtige Vorarbeiten geleistet, wie auch z.B. die Plattform der österreichischen NGOs (www.rioplus20.at).

Green & fair economy

Mit der Erfolgsgeschichte des Fairen Handels sind Aspekte der Nachhaltigkeit untrennbar verbunden. Dies wurde an den drei „Säulen der Nachhaltigkeit“ durch zahlreiche Beispiele verdeutlicht:

·         Ökologie: u.a. Jute statt Plastik-Kampagne als Ausgangspunkt, Einführung des ersten Bio-Kaffees in Österreich durch die EZA Fairer Handel 1987, Unterstützung vieler ProduzentInnenorganisationen beim Umstieg auf Bio- Anbau.

·         Ökonomie: u.a. Zahlung von garantierten Mindestpreisen plus zusätzlicher Prämien und Vorauszahlungen, Sicherung von neuen Arbeitsplätzen auch in Europa (ca.1.500, auch wenn noch sehr viel Arbeit ehrenamtlich erfolgt).

·         Soziales: Verbesserung der sozialen Situation der ProduzentInnen, Know-How-Transfer Nord-Süd, „Prinzip der Gerechtigkeit“ in die Grundregeln des weltweiten Bio-Dachverbands IFOAM hineingetragen.

Trotz vieler positiver Aspekte hat der Faire Handel klare Grenzen, denn auch er agiert im Rahmen der Weltwirtschaft, und nicht außerhalb. Deswegen hat sich die Fairhandels-Bewegung immer auch als politische Bewegung verstanden, die darauf drängt, wirtschaftliche Strukturen weltweit, auch hier bei uns zu verändern.

Vor dem Hintergrund der Fairhandels-Erfahrungen muss das Konzept der Grünen Ökonomie mit starker Umweltorientierung um eine starke soziale Komponente ergänzt werden. Dazu gehört der Fokus in Richtung Menschenrechte und soziale Aspekte der Produktion erweitert. Dabei ist es wichtig, dass die Politik einen starken Rahmen schafft, der weit über freiwillige Selbstverpflichtungen der Wirtschaft hinausgeht.

World Café & Podiumsrunde

Im Rahmen eines World Café wurden an vier Tischen zu unterschiedlichen Aspekten des Fairen Handels (FAIRTRADE-Gemeinden, Faire Mode, Fairer Handel und Jugend, Fairer Handel im Supermarkt) Erfahrungen ausgetauscht und engagiert diskutiert. Jede Person bekam die Möglichkeit, sich und andere rund 90 Minuten lang zu zwei der vier Themen zu informieren.  


Weltcafé (Foto: Sonja Schachner)

In der abschließenden Podiumsrunde verwies Sepp Ortner (Biobauer der ersten Stunde) darauf, dass innere Überzeugung die einzige Motivation ist, die dauerhaft ist: Es sei nicht immer wichtig, dass alle mitmachten, sondern dass einige überzeugt voranschritten.
Viele Mut machende Erfahrungen aus den Bereichen des Fairen Handels und des Biolandbaus wurden vorgetragen, deutlich wurde auch auf die Grenzen einer eingeengten Sichtweise hingewiesen: Konsum allein könne nicht die Lösung sein, darin waren sich alle einig. Mit dem Aufruf von Andrea Reitinger (EZA Fairer Handel), daran zu arbeiten, die politische Handlungsmacht durch eine „konstruktive Protestkultur“ wiederzugewinnen, sich nicht nur als strategische KonsumentInnen sondern vor allem auch als politische Subjekte zu begreifen, konnten sich viele der Teilnehmenden bestens identifizieren.


Die Ergebnisse des Abends fließen in die Vorbereitung der Abschlussveranstaltung dieser Reihe ein, die am 21. Juni im Bildungshaus St. Virgil in Salzburg stattfinden wird.

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