• 11.12.2019Seite Drucken

„Globale Ungleichheit nimmt weiter zu“ - Buchvorstellung mit der Entwicklungssoziologin Karin Fischer

Veranstaltungskooperation der Robert Jungk Bibliothek für Zukunfstsfragen und KommEnt


Zahlen machen es deutlich: Die Kluft zwischen Vermögenden und Normalverdienenden steigt rasant an. Davon betroffen ist nicht nur der Globale Süden, sondern auch die unteren Einkommensschichten in reichen Staaten.


Warum das so ist, welche Theorien es für Ungleichheit und die „Great Divergence“ gibt und welche Wege hin zu mehr Gleichheit zu beschreiten wären – das ist Thema des Buchs „Globale Ungleichheit“, das 2019 im Mandelbaum Verlag erschienen ist. Am 5. Dezember 2019 war eine der Herausgeberinnen, Karin Fischer von der Kepler Universität Linz, zu Gast in der 51. Ausgabe der Reihe JBZ-Zukunftsbuch.
Im Gespräch mit Heidi Grobbauer von KommEnt und Hans Holzinger von der JBZ skizzierte Fischer das weitgehende Scheitern der Modernisierungstheorien der 1950er-Jahre, die Kolonialgeschichte als eine der nach wie vor wirkenden Ursachen für Ungleichheit sowie das systemische Funktionieren des Kapitalismus nach dem Prinzip, wer bereits viel hat, bekommt noch mehr dazu („Matthäus-Prinzip“). Die Soziologie habe globale Ungleichheit lange vernachlässigt. Erst mit Ulrich Beck und dem von ihm geprägten Begriff der „Weltrisikogesellschaft“ habe sich dies geändert, so Fischer.


Zukunftswege sieht die Expertin für Entwicklungsfragen insbesondere in der Förderung regionaler Wirtschaften, dem Aufbau diversifizierter Produktionszweige sowie der Stärkung der Binnennachfrage. Zentral sei die rechtlich bindende Verpflichtung multinationaler Konzerne zur Einhaltung sozialer Mindeststandards und die Zahlung fairer Löhne – ein Thema der Güterkettenforschung. Zudem sei eine höhere Besteuerung von Vermögen und Spitzeneinkommen unumgänglich, um sich zuspitzende soziale und politische Krisen zu entschärfen.


Der Band „Globale Ungleichheit“ bietet auf 400 Seiten Einführungen von ExpertInnen zu allen zentralen Handlungsfeldern der Ungleichheitsforschung – von empirischen Befunden über unterschiedliche Erklärungsmodelle für Ungleichheit bis hin zu konkreten Aspekten von Ungleichheit etwa im Bereich des globalen Arbeitsmarktes oder durch die zunehmende Finanzialisierung der Wirtschaft. Ein Buch das in gut verständlicher Sprache Erklärungen für globale Ungleichheit und Wege ihrer Überwindung gibt.

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