• 01.12.2018Seite Drucken

Engagement für Entwicklungszusammenarbeit

Botschafter i.R. Dr. Georg Lennkh im Lebensgespräch


Bürgerlich-konservativ beschreibt Georg Lennkh sein Elternhaus in der Steiermark, wo er 1939 geboren wurde. Als sein Vater im 2. Weltkrieg stirbt, bleibt seine Mutter mit drei Kindern zurück. Georg Lennkh besucht ein katholisches Gymnasium und beginnt, sich für Naturwissenschaften zu interessieren. Auch wenn er in der Jugend eine starke innere Gespaltenheit zwischen den Werthaltungen und Ansprüchen der Familie und seinen eigenen Bedürfnissen erlebt, entschließt er sich, - entgegen seinem ursprünglichen Wunsch Atomphysik zu studieren – für das Jus-Studium, das er in Graz beginnt. Nach Aufenthalten in Bologna und den USA wo er auch ein Politikwissenschaftsstudium absolviert, führt ihn sein Weg Anfang der 70er Jahre in das Außenamt nach Wien, wo er 1972 als Olympia-Attaché nach Japan entsandt wird, um alle Vorbereitungen für die österreichischen Wintersportler zu treffen.

Nach Beendigung dieser Aufgaben führt Georg Lennkhs beruflicher Weg in das Kabinett Bundeskanzler Kreiskys, wo er für außenpolitische Angelegenheiten zuständig war. In dieser Funktion bereitete er 1981 den ersten Nord-Süd-Gipfel in Cancún, Mexiko, vor. Dieses erste, von Willy Brandt angeregte internationale Treffen einer unabhängigen Kommission beschäftigte sich nicht nur mit einer umfassenden Problemanalyse der damaligen internationalen Entwicklungen, sondern gab auf der Basis einer kritischen Reflexion der Entstehung des globalen Nord-Süd-Gefälles auch konkrete Handlungsempfehlungen. Im Rahmen dieser Aktivitäten erhielt Georg Lennkh auch einen umfassenden Einblick in den Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und konnte unmittelbar an den ersten Grundlagenpapieren für die Internationale Entwicklungszusammenarbeit mitarbeiten, die in Cancún vorbereitet wurden. Ein Ergebnis des Treffens war unter anderem der Appell an die Staatengemeinschaft zur Anhebung der Entwicklungshilfe auf 0,7% des Bruttosozialprodukts. Eine Forderung freilich, die bis heute nur von einer Handvoll Staaten umgesetzt wurde. (Österreich selbst lag 2017 bei 0,3 % des BIP für Entwicklungszusammenarbeit).

Nach 4 Jahren im Büro des Bundeskanzlers entschied sich Georg Lennkh für einen Wechsel nach Paris, wo er als Botschafter Österreichs bei der OECD tätig wurde. Nach zehn Jahren in Frankreich wuchs dann der Wusch, den Lebensmittelpunkt wieder nach Österreich zu verlegen. Die Vakanz in der Sektion für Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium in Wien bot ihm als international tätigem Beamten eine ideale Möglichkeit, hier sein Wissen und seine Erfahrungen einzubringen. In seine Amtszeit fällt u.a. der generelle Umstrukturierungsprozess der Entwicklungszusammenarbeit, der 2004 in die Gründung der ADA (Austrian Development Agency) mündete.

Die Pensionierung beendete die inhaltliche Auseinandersetzung und Beschäftigung mit Fragen der Transformation von Gesellschaften keineswegs. 2006 wurde Georg Lennkh Österreichischer Sonderbeauftragter in Afrika und damit ein wesentlicher Motor für die Gründung einer eigenen Afrikaabteilung im Außenministerium im Jahr 2008. Ebenso war er lange Jahre für Care-Österreich als Ehrenpräsident tätig und bemüht, zur Lösung internationaler humanitärer Krisen beizutragen.

Dem derzeit in Österreich herrschenden Klima, kann man nur, so Lennkh, mit Engagement begegnen. Dieses Engagement inkludiert aber auch eine stets kritische Reflexion des eigenen Tuns und ein Nachdenken über eine Neuausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit generell. Als kritischer und engagierter Geist war und ist es Georg Lennkh Zeit seines Lebens ein Anliegen, internationale Verantwortung wahrzunehmen und sich dafür einzusetzen.

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