• 10.11.2018Seite Drucken

Lebensgespräche mit Traude Novy und Matthias Reichl

Einblicke in Lebensgeschichten voll Widerständigkeit und Engagement


 Zwei Mal nahmen in diesem Herbst GesprächsparterInnen am Tisch von Jean-Marie Krier Platz. Traude Novy, vor allem bekannt aus der Katholischen Frauenbewegung und Matthias Reichl vom Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit erzählten aus ihrem aktiven Leben.
 
Traude Novy wächst in den 1940er-Jahren in einer konservativ-katholischen Familie in einem ArbeiterInnenbezirk in Wien auf. Sie hat Freundinnen aus kommunistischen Familien und merkt schon früh, dass es mehr als eine mögliche Sicht auf das Weltgeschehen gibt.

Als junge Frau engagiert sie sich in katholischen Gruppen, nicht ohne ihr Umfeld kritisch zu hinterfragen. 1968 ist sie Teil der Friedensbewegung, durch die sie später schließlich zur Katholischen Frauenbewegung (kfb) kommt. In der kfb setzt sie ihre Energie u.a. für entwicklungspolitische Fragen und den Familienfasttag ein, ergreift Partei gegen Ungerechtigkeiten innerhalb der Kirche und Gesellschaft und benennt Kritikpunkte v.a. in Belangen der Geschlechtergerechtigkeit. Dabei hatte sie nicht immer die Zustimmung aller Mitglieder, aber „bei so einer vielfältigen Gruppe, wie es die kfb ist, können nicht immer alle einverstanden sein“. Der Faire Handel ist ein weiteres Herzensthema von Traude Novy, bis 2017 ist sie im Vorstand von Fairtrade Österreich tätig.

Mittlerweile gilt Traude Novys vorrangiges Interesse der Ökonomie. Sie ist Gründungsmitglied des Netzwerks Women in Development (WIDE), das sich u.a. für einen geschlechtsspezifischen Ansatz in der Entwicklungszusammenarbeit einsetzt und wirtschaftliche, politische, soziale und kulturelle Machtverhältnisse aus feministischer Perspektive thematisiert.

Im Lebensgespräch zeigt Traude Novy noch eine ganz andere Facette: In den 90er Jahren entwickelt sie zusammen mit Mitstreiterinnen das Wiener Frauen-Kirchenkabarett. Was zunächst nur für einen einmaligen Auftritt gedacht war, wurde so begeistert aufgenommen, dass das Frauenkabarett über mehrere Jahre mit wechselndem Programm in vielen Pfarren auftrat – mit Kritik sowohl gegenüber Missständen innerhalb der Kirche als auch in der Politik.
 
Matthias und Maria Reichl verbindet man v.a. mit dem „Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit“ in Bad Ischl, das mit Gesprächs- und Lernrunden in den 80er-Jahren begann, deren GastgeberInnen die Reichls waren.
Geprägt von einem katholischen Elternhaus, das der NS-Herrschaft kritisch gegenüberstand und in der Nachkriegszeit Begegnungsraum für unterschiedlichste Personengruppen wird, interessiert sich der junge Matthias sehr stark für Theologie. Mit 15 belegt er einen Fernkurs zur theologischen Laienausbildung und reist 1965 zum Vatikanischen Konzil nach Rom. Durch sein Engagement in der Katholischen Kirche kommt Reichl auch in Kontakt mit Priester Franz Wesenauer, der in Salzburg Ende der 60er-Jahre den Aufbruch der Katholischen Kirche vorantrieb und Mitinitiator der internationalen Friedenskonferenz zum 150. Jubiläum des Lieds „Stille Nacht“ war. Diese „Friedensveranstaltung mit Leuten aus vielen Ländern“ bringt Matthias Reichl zum Nachdenken darüber, wie man „das Leben anders gestalten kann.“ Er wird Mitglied bei der Alternativen Liste Österreich, die Vorgängerorganisation der Grünen, und arbeitet mit Alternativen Nobelpreisträgern wie Robert Jungk zusammen, mit einigen bleibt er freundschaftlich verbunden.
 
Mathias und Maria Reichl entscheiden sich bewusst für ein Leben in beruflicher Unabhängigkeit und damit ohne geregeltes Einkommen. Das für das Leben einer 4-köpfigen Familie notwendige Geld kommt aus kleinen, vielfältigen Projekten.
 
Bis heute setzt sich Matthias Reichl viel mit Texten und Büchern auseinander. Der privaten Bibliothek im Hause Reichl, zu den Themen Frieden, alternative Lebensweisen und soziale Bewegungen, eilt ein entsprechender Ruf voraus. Maria und Matthias Reichl widmen sich aber auch dem gesprochenen Wort: Jetzt in ihrem Ruhestand kommentieren sie das Weltgeschehen in regelmäßigen Sendungen im Freien Radio Salzkammergut.

Eine Audioaufnahme der Gespräche finden Sie unter Reihe Lebensgespräche (bitte anklicken). Die Rechte der Aufnahme liegen beim Salzburger Bildungswerk.

 

(Quelle der Bilder dieses Artikels: Salzburger Bildungswerk und komment)

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