• 10.10.2018Seite Drucken

Lebensgespräch mit Thomas Neff am 27.09.2018

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung zu „40 Jahre zivilgesellschaftlicher Widerstand am Beispiel der Anti-Atom-Bewegung“ lud KommEnt zusammen mit dem Salzburger Bildungswerk zu einer Veranstaltung der Reihe „Lebensgespräche“ ein. Kooperationspartnerin war die Plattform gegen Atomgefahren (PLAGE) Salzburg, deren Aktionsleiter, Thomas Neff, als Gesprächspartner am Tisch von Dr. Jean-Marie Krier Platz nahm und kurzweilig aus seinem Leben erzählte.


Dass Thomas Neff ein umtriebiger Mensch und vielerorts engagiert ist, das stellt Dr. Jean-Marie Krier schon zu Anfang des Gesprächs klar. Neff habe sich schon in jungen Jahren für vieles interessiert und sei unterschiedlichsten Meinungen auf den Grund gegangen. Sein Jahrgang hat als einer der ersten Jahrgänge die Möglichkeit einen Zivildienst abzuleisten und trotzdem entschließt sich der in der Friedensbewegung Engagierte für das Bundesheer – weil er „wissen wollte, wie es ist.“ Als prägend beschreibt der Aktivist die vorgelebte Offenheit innerhalb seiner Familie und sein Engagement in der Gewerkschaftsjugend während seiner Lehrlingszeit.

Obwohl er seinen Lehrberuf, Elektriker, gerne ausübt, trifft er zusammen mit seiner Frau die Entscheidung, aus diesem Leben auszusteigen – kein leichter Weg. Ohne genügend Geld oder einen verfügbaren Bauernhof kann der Traum vom Leben als Bio-Bauer nicht verwirklicht werden. Schließlich zieht die kleine Familie – das älteste Kind der Neffs erblickte zwischenzeitlich das Licht der Welt – in einen Pfarrhof.

Eine weitere ungewöhnliche Entscheidung Thomas Neffs: Er beschließt zusätzlich zum Grundwehr- einen Zivildienst abzuleisten, für dessen Einrichtung er sich Jahre zuvor ebenfalls aktiv eingesetzt hatte. Die Einberufung zum Zivildienst fällt jedoch genau in seine Elternzeit. Da seine Frau berufstätig ist, strengt er eine Verschiebung an, doch erst nach einigen Versuchen und Ansuchen bis an höchste staatliche Stellen – „Ich habe meinen Sohn auf dem Tisch des Bundespräsidenten gewickelt!“ – gelingt es, das zusätzliche Engagement auf einen Zeitpunkt zu verschieben, der für alle Beteiligte zufriedenstellend ist. Der Zivildienst bei der Bewährungshilfe Salzburg verschafft Thomas Neff Einblicke in eine bisher unbekannte Welt.

Als Teil des Salzburger Widerstands gegen Wackersdorf (WAA) fährt Thomas Neff zusammen mit anderen PLAGE-Mitgliedern zu Demonstrationen in die Oberpfalz, in Bayern. 1999 ist er einer der Initiatoren des WAA-Denkmals in der Altstadt. Es zeigt einen Teil des Wackersdorfer Bauzauns in 13-facher Größe. Der Zaun galt als unzerstörbar und wurde von DemonstrantInnen trotzdem aufgeknackt – ein Zeichen dessen, was möglich ist. Bis heute ist der Anti-Atomkraftaktivist dabei, Nuklide im Alltag aufzuspüren und über Gefahren zu informieren. Zur Veranschaulichung dieser Tätigkeit präsentiert er den ZuhörerInnen seinen Geigerzähler und dessen Ausschlag, wenn er in die Nähe einer Pechblende kommt (die selbstverständlich fachgerecht verpackt wurde). Durch Zufall entdeckt er 2016 einige Teile dieses Urangesteins im Biologie-Raum eines Salzburger Gymnasiums. Dort und in noch mehr Salzburger Schulen lager(te)n diese vergessen – Anfang des 20. Jahrhunderts waren sie beliebte Anschauungsobjekte – und strahl(t)en.

Da bis heute oft das Bewusstsein fehlt, von welchen Gegenständen Strahlung ausgeht, sieht er es weiterhin als wichtige Aufgabe, zu informieren und Gefahren aufzuzeigen; dies gilt auch für den im kollektiven Gedächtnis schon fast vergessenen EURATOM-Vertrag, gegen den die Salzburger Plattform gegen Atomgefahren weiterhin die Öffentlichkeit mobilisiert.

Das jahrzehntelange Engagement für die Umwelt und für die Menschen braucht oft Mut. Wie weit er wohl geht, woher er kommt und wo seine Grenzen liegen? Wenn man sich bewusst ist, warum man das tut und wofür man lebt, dann fängt man nicht an um aufzuhören. Bisher kam Thomas Neff dabei noch nicht an seine Grenzen, auch dank seiner Frau. Ohne sie könnte er das alles nicht leisten und so wird er weitermachen, weil „es eine Notwendigkeit ist“!

 

Eine Audioaufnahme des gesamten Gesprächs finden Sie unter Reihe Lebensgespräche (bitte anklicken). Die Rechte der Aufnahme liegen beim Salzburger Bildungswerk.

 

(Quelle aller Bilder dieses Artikels: Salzburger Bildungswerk)

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