• 14.07.2014Seite Drucken

Global Citizenship Education - Kompetenzentwicklung und Praxistransfer

Im dritten Seminar des Universitätslehrgangs „Global Citizenship Education“ standen vor allem die Vertiefung des Konzepts sowie der Transfer in die Bildungspraxis im Mittelpunkt.


 

 Nach zwei Seminaren, einer Studienreise sowie mehreren Arbeitsgemeinschaften und E‑Learning‑Modulen kamen die fast 30 TeilnehmerInnen des Universitätslehrgangs Global Citizenship Education (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, KommEnt Salzburg, Demokratiezentrum Wien, PH Kärnten) für ihr drittes Seminar vom 7. bis 11. Juli 2014 im Bundesinstitut für Erwachsenenbildung am Wolfgangsee zusammen.

Vertiefung des Konzepts Global Citizenship Education

Die weitere Vertiefung des Konzepts Global Citizenship Education stellte den ersten Schwerpunkt des Seminars dar. Ein Videoausschnitt aus einem Vortrag von Oskar Negt zu seinem Buch „Der politische Mensch“ bot einen interessanten und rege diskutierten Einstieg. Negts Plädoyer für „Demokratie als Lebensform“ und „als einzige politisch verfasste Gesellschaftsordnung, die gelernt werden muss“ bildete die passende Überleitung zu einer Politischen Bildung mit weltbürgerlicher Absicht.

Werner Wintersteiner, wissenschaftlicher Leiter des Lehrgangs, stellte in einem Vortrag noch einmal vertiefend Konzepte, Kontexte und Konklusionen zu Global Citizenship Education vor. Dabei reflektierte er auch die unterschiedlichen Bedeutungen des Bildungsbegriffes. Eine mannigfaltige und durchaus umstrittene Verwendung spiegelt sich auch im Begriff Global Citizenship Education wider, der einerseits als eigenständige politische Pädagogik, andererseits als ein Arbeitsfeld des Globalen Lernens und in manchen Ländern wiederum als Oberbegriff über mehrere politische Pädagogiken betrachtet wird. Wintersteiner wies letztlich darauf hin, dass Global Citizenship Education eher ein Projekt als ein fertiges Konzept darstelle und in jedem Fall einen globalen pädagogischen Dialog sowie strukturelle Voraussetzungen im Schulsystem benötige.

Zwei Halbtage lang setzten sich die TeilnehmerInnen dann in Arbeitsgruppen und weiteren kurzen Inputs intensiv mit den Themen Kompetenzorientierung von Global Citizenship Education sowie Methoden und Möglichkeiten für die Bildungspraxis auseinander. In Kleingruppen wurden Konzepte internationaler Institutionen und NGOs sowie ausgearbeitete Curricula für Global Citizenship Education hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht. Anhand dieser Analyse und des Vergleichs bestehender konzeptioneller Zugänge bzw. Curricula für GCE diskutierten die TeilnehmerInnen, welche Inhalte, Kompetenzen und Werte/Einstellungen die verschiedenen Zugänge favorisieren und welche Herausforderungen sie darstellen. Die Kategorien Kompetenz, Wissen und Werte würden schließlich auch die Verbindung von Theorie und Praxis leichter herstellen lassen, so das Fazit.

Zusätzliche Vertiefungsmöglichkeiten und neue Blickwinkel auf das Feld Global Citizenship Education bot weiters eine Textwerkstatt mit mehreren Arbeitsgruppen, die sich zum einen mittels Textausschnitten von Walter D. Mignolo und Patricia Baquero Torres mit dem Anti-Kolonialismus beschäftigten, zum anderen pädagogische Stimmen aus dem globalen Süden – wie Paulo Freire und Kwame Anthony Appiah – besprachen.

Global Citizenship Education in seiner praktischen Umsetzung

Wie lässt sich Global Citizenship Education in der eigenen Praxis umsetzen? Diese wesentliche Frage wurde mittels eines so genannten „Mini Open Space“ aufgerollt: Im Mittelpunkt standen die speziellen Interessen der TeilnehmerInnen, die selbst die Themen vorschlugen, die sie gemeinsam mit anderen gerne intensiver diskutieren wollten. Neben einem Austausch über bereits durchgeführte Projekte zu GCE wurden auch neue Projektideen und die Möglichkeiten, verschiedene Methoden für GCE anzupassen, diskutiert. Weitere Arbeitsgruppen besprachen Pläne zur Modellentwicklung in der Hochschuldidaktik und LehrerInnenausbildung oder berichteten über bereits vorhandene Schulpartnerschaften und Schulparlamente. Ebenso wurde diskutiert, inwiefern das Konzept Global Citizenship Education mit diversen Theatermethoden, der Arbeit mit Jugendlichen oder der Kultur der Achtsamkeit verknüpft werden kann.

Jakarta Disorder: Ist Demokratie möglich?

Eine besondere Bereicherung des Seminars bildete schließlich der Filmabend mit Ascan Breuer: Der Regisseur, Medienkünstler und Kulturwissenschaftler stellte seinen soeben veröffentlichten Film Jakarta Disorder vor, welcher zwei couragierte Frauen in der Großstadt Jakarta begleitet, die sich für eine Teilhabe der verarmten Bevölkerungsmehrheit an der indonesischen Demokratie einsetzen. Ascan Breuer bot den Studierenden zudem die Möglichkeit, sich mit ihm nicht nur über die Inhalte und Themen seines Films, sondern auch über dessen Entstehungsgeschichte und über die Herausforderungen des dokumentarischen Filmschaffens zu unterhalten.

Postkoloniale Perspektiven mit Astrid Messerschmidt

Am Donnerstag sprach die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Astrid Messerschmidt über postkoloniale Perspektiven auf Bildungsprozesse in globalisierten Zonen. Nach einer Analyse der Ausmaße und Wahrnehmungen des Kolonialismus nahm sie eine detaillierte Erläuterung der postkolonialen Theorien vor und schuf im Zuge dessen eine Sensibilisierung für migrationsgesellschaftliche und rassismuskritische Bildungsprozesse. In diesem Zusammenhang sei nicht nur die Anerkennung von Heterogenität von Bedeutung, sondern vielmehr auch die Reflexion der eigenen sozialstrukturellen Positionierung, die Wahrnehmung der eigenen Person als mitbestimmende Akteurin oder mitbestimmender Akteur der Gesellschaft und letzten Endes auch die Verantwortung für die eigene Privilegierung, so Messerschmidt. Die Studierenden hatten die Möglichkeit, in einen intensiven und regen Austausch mit der Referentin zu treten, die den ganzen Tag zur Verfügung stand.

Rückblicke und Ausblicke des Universitätslehrgangs

Auch die Möglichkeit des Rückblicks kam während dieses dritten Seminars nicht zu kurz: Ein von einer Teilnehmerin eigens zusammengestellter Videomitschnitt und mehrere Fotobücher ließen Erinnerungen an die Studienreise nach Israel/Palästina aufkommen.

In diesem Seminar wurde besonders deutlich, wie sehr die Gruppe zusammengewachsen ist und als sich gegenseitig bereichernde Gemeinschaft erlebt wird. So ist es nicht verwunderlich, dass im Laufe des Seminars bereits allerhand Ideen zur weiteren Vernetzung unter den TeilnehmerInnen entwickelt wurden.

Doch nicht nur mit Rück- und Ausblicken, auch mit Abschiednehmen war dieses Seminar für vier Teilnehmerinnen verbunden: Sie schließen im kommenden Herbst das Zertifikatsprogramm des Lehrgangs ab. Alle weiteren TeilnehmerInnen wiederum werden sich in den nächsten zwei Semestern intensiv mit der Erstellung ihrer Master Thesis befassen.

Eva Hoffmann

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